• TOUR 103 – VON WETZLAR NACH BRAUNFELS

    Wir behalten viele Orte in Erinnerung, aber oft verlieren sich mit der Zeit die meisten Details. Wir erinnern uns daran, ohne überhaupt noch eine richtige Vorstellung davon zu haben. Wir wissen, dass wir da und da gewesen sind, wir wissen, dass wir irgendwann einmal ein lebendiges Bild vor Augen hatten, aber viel mehr als eine Traumwelt, von der wir nicht so recht einschätzen können, ob sie real ist oder nicht, ist es nicht mehr. Mit dem Beginn des Wandertagebuches hat sich bei mir dieser schleichende, aber unaufhaltsame Prozess der sich verflüchtigenden und verschwindenden Erinnerungen abgeschwächt. Ich kann zwar nicht behaupten, dass mir der Name jedes einzelnen Dorfes gegenwärtig ist, das…

  • FOTO-WANDERUNG 2 – HESSIGHEIMER FELSENGÄRTEN

    Als Felsengärten wird eine Ansammlung von Felsen aus dem Oberen Hauptmuschelkalk in der Nähe von Hessigheim im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg bezeichnet. Die Felsen weisen damit ein Alter von beinahe 250 Millionen Jahren auf. Sie sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen, stellen aber auch eine Attraktion für Kletterer dar. Hessigheim liegt an einer Neckarschleife, gut 25 Kilometer nördlich von Stuttgart und rund 20 Kilometer südlich von Heilbronn. Es gibt einige Rundwanderwege durch die Felsengärten, deren Länge zwischen 3 und 12 Kilometern beträgt. Hinzu kommt ein Marathon-Wanderweg, der in Hessigheim startet und endet. Slideshow unterhalb der Galerie   In den Weinbergen   Treppauf   Blick auf Hessigheim   Eine Wanderung ist immer auch…

  • FOTO-WANDERUNG 1: WACHOLDERHEIDE WURMBERG UND BRÜCKLEIN

    Die Wacholderheide Wurmberg und Brücklein ist ein Naturschutzgebiet bei Hardheim im Neckar-Odenwald-Kreis. Hardheim liegt am nordöstlichen Rand von Baden-Württemberg im Fränkischen Odenwald, gut 20 Kilometer südöstlich von Miltenberg und knapp 20 Kilometer südlich von Wertheim. Nicht weit entfernt verläuft der Fränkische Marienweg durch Amorbach und Schneeberg. Wacholderheiden sind offene Landschaften. In früheren Zeiten waren es in erster Linie Schafe, die für ihren Erhalt sorgten. Da die Zahl der Wanderschäfer jedoch immer mehr abgenommen hat und damit diese historische Form der Weidenutzung selten geworden ist, sind heute gezielte Maßnahmen notwendig, um den Bestand der Wacholderheiden zu sichern. Länge der Wanderung: ca. 7 km Slideshow unterhalb der Galerie   Start am Walter-Hohmann-Denkmal…

  • TOUR 102 – LADENBURGER WEGE

    Erstes Bild: Eine späte Vormittagssonne über dem Fluss, eine Sommersonne, die alles weit und hell erscheinen lässt, nur im hohen Gras unmittelbar am Ufer und im Schatten der dichten, beinahe das Wasser berührenden Weidenkronen hat sich noch ein Rest von Nässe aus den vergangenen kalten, grauen Regentagen gehalten. Alles ist weiß. Der Horizont ist weiß, dunkelweiß allerdings wie ein Wasserfall im Nebel. Am Himmel weiße Wolkeninseln, die sich im Fluss spiegeln, so dass es auch dort weißlich schimmert. Vom gegenüberliegenden Neckarufer leuchten weiße Häuserfassaden herüber, die im Mittagslicht aussehen wie in die Luft hineingeschnittene Torbögen. Unser Ausgangspunkt ist Ladenburg, ein paar Kilometer östlich von Mannheim. Es ist gerade einmal sechs…

  • TOUR 101 – VON SCHWETZINGEN ZUM RHEINAUENWEG

    Wenn man sich als Wanderer auch nur flüchtig für die Historie der Wege und Orte interessiert, die sich auf all den Wanderungen im Laufe der Zeit ansammeln, ist es beinahe unausweichlich, dass man früher oder später damit beginnt, nach Spuren von Fußgängern vergangener Epochen zu suchen, die mit diesen Wegen und Orten in Verbindung stehen. Spuren selbstverständlich nicht im buchstäblichen Sinn, sondern Spuren in Form von Worten, von Zitaten, von Aufzeichnungen, von allem, was irgendwie vollständig oder rudimentär überliefert ist. Man bemüht sich, eine Vorstellung einer jahrhunderte- oder jahrzehntealten Wirklichkeit zu bekommen, so schwierig das auch sein mag, denn je weiter man in der Zeit zurückwandert, desto fremdartiger werden im…

  • TOUR 100 – VON MANNHEIM NACH HEIDELBERG

    Keine Ahnung, ob ich in der Anfangszeit dieses Blogs vor rund fünf Jahren wirklich damit gerechnet habe, irgendwann Tour 100 in Angriff nehmen zu können. Dass es ein langfristiges Projekt werden sollte, steht außer Zweifel. Aber ganz sicher war nicht ständig irgendwo in einem versteckten Winkel meines Gehirns der Gedanke präsent, wie lange ich wohl durchhalten würde. Im Rückblick erkenne ich, dass vieles sich ganz anders entwickelt hat als gedacht oder geahnt, aber das ist normal. Von manchen Dingen hatte ich zu Beginn eine ziemlich klare Vorstellung, von manchen weniger, auch das ist normal. Alles in allem lief die Sache so ab – ich begann, machte weiter und ansonsten überließ…

  • TOUR 99 – SIERSBURG/IDESBACHPFAD

    Alte Wege und Straßen üben eine gewisse Faszination aus. Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil ein winziges Stück Vergangenheit in die Gegenwart hineinreicht, ein schwacher Widerhall längst vergessener menschlicher Existenzen und ihrer Handlungen und Gedanken. Man kann Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende in der Zeit zurückgehen und stößt irgendwie immer auf irgendetwas, das mal ein Weg oder ein Pfad gewesen ist und das von Händlern, Soldaten, Pilgern, Hirten, Bauern, Nonnen oder wem auch immer genutzt wurde. Man könnte beinahe sagen, Wege verbinden nicht nur Orte miteinander, sondern in gewisser Weise auch Epochen, sie sind Anker in die dunkle, ferne, fremdartige Realität vergangener Zeiten. Ein Teil der Faszination besteht womöglich auch darin, dass…

  • TOUR 98 – DURCHS MAUDACHER BRUCH IN LUDWIGSHAFEN

    Gehen kann viele Ausprägungen haben. Wahrscheinlich unzählige, wenn man jeden Aspekt berücksichtigen und jeden Lebensbereich einbeziehen würde von dem Moment an, als das erste Wort in der Welt war, das Gehen bedeutete. Aber selbst wenn man sich lediglich auf die Gegenwart beschränkt, bleiben immer noch mehr als genug Variationen übrig. Gehen kann bedeuten, in mörderischem Tempo, ohne links und rechts zu schauen, durchs Gelände zu marschieren, genauso gut aber kann man so langsam vor sich hinschlendern, dass man kaum von der Stelle kommt. Oft ist es nichts weiter als eine simple, zielgerichtete Tätigkeit, nur dazu gedacht, von einem Punkt A zu einem Punkt B zu gelangen, ebenso jedoch ist denkbar,…

  • TOUR 97 – VON HIRSCHHORN NACH EBERBACH

    Es gibt Augenblicke, da spielt man mit dem Gedanken, sich irgendwo einen Platz am Rande der Welt zu suchen, dort die Füße hochzulegen und darauf zu warten, was sich tut. Darauf, ob das Nichtstun im Handumdrehen zu geistiger wie körperlicher Erstarrung führt oder ob sich vielleicht sogar im Laufe der Zeit eine bislang unentdeckte innere Harmonie einstellt, die man nicht mehr missen möchte. Ich brauche nicht lange darüber nachzudenken, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass Variante Nummer eins die wesentlich wahrscheinlichere ist. Die Zeit – im Grunde jeder einzelne Tag – ist zu kostbar, um sie zu verschwenden und mit Nichtstun zu verbringen. Jedenfalls solange wir nicht 400 Jahre…

  • TOUR 96 – LEBACH/SAARLAND – RUND UM LEBACH UND EPPELBORN

    Henry David Thoreau, jener zu Lebzeiten wie auch heute als eigensinniger Rebell geltende amerikanische Schriftsteller, der Mitte des 19. Jahrhunderts für zwei Jahre in einer eigenhändig errichteten Blockhütte im Wald lebte und während dieser Zeit viel umherwanderte, der im Grunde aber sein Leben lang des Gehens und Umherstreifens nicht müde wurde, brachte in seinem umfangreichen Essay „Vom Wandern“ („Walking“) folgende ebenso schlichte wie inspirierende Erkenntnis zu Papier: „Meine Umgebung bietet viele schöne Möglichkeiten zum Wandern; und obwohl ich seit vielen Jahren fast jeden Tag laufe, manchmal sogar mehrere Tage hintereinander, habe ich sie längst nicht alle genutzt.“ Das ist ziemlich genau die Überlegung, die mir gut 150 Jahre später auch…

  • TOUR 95 – VON NECKARSTEINACH NACH HIRSCHHORN

    Wir haben es uns deutlich schlimmer vorgestellt. In den Meldungen der Wetterapps vom frühen Morgen war die Rede von stundenlangem Schneeregen, von starkem Wind und von Temperaturen, die erwarten ließen, dass wir uns zudem auch noch mit eisglatten Wegen abfinden müssten. Nach dem nahen Weltuntergang hörten die Vorhersagen sich zwar nicht an, fast noch weniger aber nach rundum angenehmen Begleitumständen für eine Wanderung. Ich glaube, ich rechnete damit, dass es von Beginn an eine ziemlich trostlose Angelegenheit werden würde. Stattdessen aber passiert etwas völlig anderes. Schon die ersten Augenblicke auf dem Bahnsteig in Neckarsteinach sind alles, nur nicht trostlos. Es ist völlig windstill. Von wegen stürmische Böen. Auf den Gleisen…

  • TOUR 94 – 30 KILOMETER DURCHS NÖRDLICHE SAARLAND

    Letzte Herbsttage. Seit Wochen nahezu ohne Unterbrechung dieses eintönige, abstumpfende Betongrau am Himmel, oft begleitet von stundenlangem Regen, selbst mittags war es meistens kaum mehr als dämmerhell. Für das Wochenende ist Schnee angekündigt, was heute Morgen allerdings am Rande des gerade noch Vorstellbaren liegt oder eher sogar schon jenseits davon, denn es ist mild wie zu Beginn des Frühlings. Mehr als diese halbwegs milden Temperaturen gibt es jedoch nicht, was an den Frühling erinnert. Nebel hüllt alles ein. Ein fahler, dichter Nebel, der einer fast schwarzen Morgendämmerung entstammt und der ganz bestimmt nicht mit den ersten Sonnenstrahlen verschwinden wird. Er wirkt unzerstörbar, dieser Nebel, und ich wäre nicht allzu sehr…

  • TOUR 93 – 30 KILOMETER DURCHS MITTLERE SAARLAND

    Es ist einer dieser in den letzten Jahren immer häufiger auftretenden Novembertage, an denen man weder spürt noch so richtig sieht, dass November ist. Der Himmel ist zu weit und zu hell dafür, die Schatten sehen in der grellen Sonne fast aus wie leichte Spätsommerschatten, ständig nimmt man in den Augenwinkeln winzige Lichtexplosionen wahr, und ab dem frühen Vormittag ist es so warm, dass man die Ärmel hochkrempeln kann. Herbsttage wie heute sind in mancherlei Hinsicht die besten Wandertage. Es ist weder zu kalt noch zu heiß, man muss nicht beständig gegen ein inneres Frösteln ankämpfen, sobald man eine Gehpause einlegt, man gerät aber auch nicht ins Schwitzen, man kann…

  • TOUR 92 – VOM SCHAUINSLAND HINUNTER NACH KAPPEL

    Die Welt ist klein, sagen viele. Und dieser Satz hat zweifellos seine Berechtigung in einer Epoche, in der man binnen eines Tages mit dem Flugzeug am anderen Ende des Globus sein kann und in der man via Internet oder Fernsehen Ereignisse aus weit entfernten Gegenden nahezu in ebenjenem Augenblick nachzuvollziehen vermag, in welchem sie stattfinden. Die Welt ist klein – oder wird als klein empfunden -, weil beinahe alles so unglaublich schnell abläuft. Aber wenn wir uns zu Fuß aufmachen, dann ändert sich plötzlich die Perspektive, die Langsamkeit dominiert und schon allein dadurch erscheint selbst der winzige Ausschnitt der Welt, der gehend und wandernd für uns erreichbar ist, mit einem…

  • TOUR 91 – RUND UM EBERBACH

    Erste Herbsttage. Tage des allmählich verblassenden Lichts und der im Nebel verschwindenden Horizonte, Tage der grauen, dunstigen Morgendämmerungen und des verwitterten, ausgebleichten Endsommerblaus, Tage der leuchtenden Farben, Tage des allerletzten, schon kaum mehr vorhandenen Sommerhauchs und der ersten Ahnung kalter Wintermorgen, Übergangstage, Schwellentage, Tage, an denen man schon beinahe die Erinnerungen eines ganzen Jahres mit sich trägt. Und natürlich auch Tage des Wanderns. Es gibt ja nicht wenige, für die der Herbst sogar die beste Zeit zum Wandern ist. Was allein schon deshalb kein Wunder ist, weil man sich im Herbst im Allgemeinen nicht mehr mit der teilweise gnadenlosen Hitze der Sommermonate beschäftigen muss. Jana, mit der ich heute wieder…

  • TOUR 90 – VON WIEBELSKIRCHEN NACH ST. WENDEL

    Ich glaube nicht, dass jemals der Tag kommen wird, an dem ich genug habe. Genug vom Gehen, genug vom Unterwegssein, genug davon, einen kleinen Teil dieses winzigen Ausschnitts des Universums zu erkunden, der für mich erreichbar ist. Wenn er irgendwann aber doch kommen sollte, dieser Tag, dann möchte ich sagen können: Das Unterwegssein ist genau das Richtige gewesen und ich würde nichts anders machen wollen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate bin ich in Wiebelskirchen, dem nach der Kernstadt größten Stadtteil von Neunkirchen. 20 Kilometer südwestlich von hier liegt Saarbrücken, 20 Kilometer südöstlich das bereits zu Rheinland-Pfalz gehörende Zweibrücken. Neunkirchen ist eines der ehemaligen Schwerindustriezentren des Saarlandes. Allerdings reden wir…

  • TOUR 89 – VON OPPENHEIM NACH NACKENHEIM

    Mitunter kommt mir der Gedanke, dass man von dem Augenblick an, in dem man loswandert, buchstäblich von einem Atemzug zum nächsten die Welt mit völlig anderen Augen sieht. So, als würde man eine Art Enthüllungszauber anwenden, der im Handumdrehen bisher verborgen gebliebene Dinge offenbart. Vielleicht besteht ein Teil der Begeisterung für das Wandern oder Gehen genau darin, dass man diese Trennlinie überschreitet, die Trennlinie zwischen der Alltagswelt übersehener Dinge und der Welt des Unterwegsseins, in welcher man um ein Vielfaches klarsichtiger und aufmerksamer ist. Oder, ganz simpel – vielleicht ist es einfach so, dass man erst beim Wandern beginnt, richtig hinzuschauen. Seit der letzten Etappe auf dem Rheinterrassenweg sind ziemlich…

  • TOUR 88 – HANAU-STEINHEIM/DIETESHEIMER STEINBRÜCHE

    Es sind nicht immer nur die besonders ins Auge fallenden, vordergründig schönsten Stellen, die einen Abdruck in meiner Erinnerung hinterlassen. Oft genug sind es auch die eher verborgenen, stillen, manchmal beinahe unscheinbaren Orte, die mir dauerhaft und unverrückbar im Gedächtnis bleiben, und zwar nicht etwa nur als verwaschene, sich allmählich auflösende Silhouette, sondern deutlich wie am Tag danach, einen zeitlosen Zauber ausübend. Auch auf meiner heutigen Wanderung mit Jana von Hanau-Steinheim am Main entlang und zu den Dietesheimer Steinbrüchen gibt es ein paar Situationen, die zu solch einer unauslöschlichen Erinnerung werden könnten. Eine davon ist der Blick – buchstäblich im Vorbeigehen – auf das Olof-Palme-Haus in Kesselstadt. Schon der allererste…

  • TOUR 87 – VON LANDSTUHL NACH BRUCHMÜHLBACH-MIESAU

    Es ist immer so eine Sache, wenn man sich dazu entschließt, eine Wanderung zu unternehmen, bei der man auf nahezu jegliche Vorbereitung verzichtet, auf Hilfsmittel wie GPS, Karten usw. sowieso. Man muss sich entweder darauf verlassen, dass die Strecke gut ausgeschildert ist, oder darauf, dass sich schon irgendwie eine Lösung finden wird, falls das nicht der Fall sein sollte. Es hat Touren gegeben, da war von vornherein absehbar, dass mich diese Herangehensweise in Schwierigkeiten bringen würde. Ich bin sehr oft nicht auf der ursprünglich vorgesehenen Route ans Ziel gekommen. Oder erst nach hundert Umwegen. Oder ich war gezwungen, während der Tour das Ziel völlig neu festzulegen. Vorausgesetzt, man ist körperlich…

  • TOUR 86 – NOHENER NAHESCHLEIFE

    Es kann kaum eine tiefere Stille geben als die auf einem leeren Bahnsteig am Rande eines winzigen, wie ausgestorben wirkenden Dorfes irgendwo im Niemandsland. Es ist eine fragile Stille, man hat den Eindruck, dass schon das geringste Geräusch kilometerweit zu hören wäre, aber sie ist so gegenwärtig, als sei sie ein Bestandteil von allem, was man sieht. Ungefähr diese Art von Stille ist es, die mich in Nohen empfängt, kaum dass ich aus dem Zug gestiegen bin. Vielleicht ist da deshalb gleich vom ersten Moment an dieser Eindruck einer besonderen Ausgewogenheit, vielleicht erfüllt sich auch nur irgendeine unbewusste Erwartungshaltung, jedenfalls könnte ich mir kaum einen besseren Ausgangspunkt für eine Wanderung…

  • TOUR 85 – VON WIEBELSKIRCHEN NACH SCHIFFWEILER

    Es hat schon Tage gegeben, an denen es weitaus verlockender war, kilometerweit draußen herumzulaufen. Es ist trübe und kühl, von Sommer keine Spur. Dichte Wolkencluster nehmen beinahe den ganzen Himmel ein. Sie bringen ein seltsames, wächsernes Licht hervor, fast wie an einem nebligen Wintermorgen. Je länger man den Himmel betrachtet, desto schwerer fällt es zu glauben, dass irgendwann in den nächsten ein, zwei Stunden sommerliche Helligkeit Einzug halten wird, und sei es nur für ein paar Minuten. Ich habe es kaum erwarten können, wieder aufzubrechen. Ob es hell oder stockfinster ist, ob warm oder lausig kalt, das spielt heute eine untergeordnete Rolle. Aufbrechen, das war in den letzten Wochen und…

  • TOUR 84 – VON HERXHEIM AM BERG NACH BAD DÜRKHEIM

    Der Tag ist warm und hell, exakt so, wie es sich bereits Stunden zuvor erahnen ließ, als die kühle, noch von Dunkelheit eingerahmte Dämmerung sich von Atemzug zu Atemzug mehr in einen stillen, klaren Morgen verwandelt hat. Mehr Frühling als heute geht kaum. Da ist dieser Himmel, weit und offen, schon lange kein morgendlicher Himmel mehr, sondern ein leuchtender Mittagshimmel, bis fast zum Rande des Blickfeldes sieht man alles gestochen scharf, nur die Horizontlinie selbst sieht aus wie ein Saum aus dunstiger Gischt. Da ist dieses frühlingshafte Grün überall, Bäume, niedrige Hecken, Weinhänge, Wiesen, man hat beinahe das Gefühl, den Geschmack von Grashalmen auf der Zunge zu spüren oder den…

  • TOUR 83 – 20 KILOMETER DURCHS MITTLERE UND NÖRDLICHE SAARLAND

    Unterwegssein, das ist zur Zeit eine sehr eingeschränkte Angelegenheit. An irgendeinen beliebigen Ort fahren und dort herumwandern, so weit die Füße tragen, das gehört fürs Erste der Vergangenheit an. Spaziergänge von drei oder von fünf Kilometern, die noch vor wenigen Wochen banaler Alltag waren, sind zu etwas Besonderem geworden, eine Wanderung von 20 Kilometern, wie ich sie heute im Sinn habe, hat beinahe schon etwas Epochales. Nicht nur die Selbstverständlichkeit des Normalen ist dahin, sondern auch die Selbstverständlichkeit des Besonderen, von dem wir oft schon gar nicht mehr gemerkt haben, dass es etwas Besonderes ist. Meine Wanderung beginnt mit dem allerersten Schritt zur Haustür hinaus. Es sind die ersten Tage…

  • TOUR 82 – PRIMSTALER PANORAMAPFAD UND WARKEN-ECKSTEIN-WEG

    Mittwoch, 18. März. Mit jedem Tag, den die Corona-Krise anhält, wird sie gegenwärtiger und unwirklicher zugleich. Gegenwärtiger, weil die täglichen Zahlen von Neuinfektionen und von Toten – so abstrakt sie auch erscheinen mögen – eine Art Maßstab für die Größe der Gefahr darstellen, unwirklicher, weil die Selbstverständlichkeit einer jahrzehntelang gewohnten Normalität gerade in Nullkommanichts erodiert. Man kommt sich vor wie in einem Realität gewordenen dystopischen Film. In wenigen Tagen, vielleicht sogar schon innerhalb der nächsten 24 Stunden, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit drastische Ausgangsbeschränkungen angeordnet werden. Wandern wird dann wohl nur noch sehr eingeschränkt möglich sein, wenn überhaupt. Mehr als je zuvor ist das Unterwegssein deshalb ein Anker, etwas Stabiles in…

  • TOUR 81 – VON EDENKOBEN NACH NEUSTADT AN DER WEINSTR.

    Es wird eine Zeit geben, in der uns diese Tage der Pandemie im Rückblick vielleicht noch unwirklicher erscheinen werden als im Augenblick. Eine Zeit, in der wir uns nicht mehr vorkommen werden, als wären wir Statisten in einer Realität gewordenen Dystopie. Eine Zeit, in der auch das Unterwegssein wieder selbstverständlich sein wird. So selbstverständlich wie die Morgendämmerung am Ende der Nacht, so selbstverständlich wie das Aufeinanderfolgen der Jahreszeiten und die Existenz der Sonne. Im Moment jedoch sind wir mittendrin. Es ist Samstag, der 14. März, und es gibt seit vielen Tagen, anschwellend wie eine unbesiegbare Riesenwoge, nur ein einziges Thema, nämlich DAS VIRUS. Nichts anderes scheint mehr zu existieren. Es…