• TOUR 61 – HÖCHSTEN UND ERZGRÄBERWEG

    Es sind diese ersten Minuten nach der Dämmerung. Etwas von der rauen, schwarzen Kälte der Nacht ist immer noch da. Die Stille über den schneebedeckten Feldern ist eine Winterstille und zugleich eine Dämmerstille, aber von Atemzug zu Atemzug wird sie brüchiger und durchlässiger. Die Geräusche des erwachten Tages zersetzen sie, bis nur noch so viel von ihr übrig ist, dass man sie nicht mehr bewusst wahrnimmt, sondern sie nur noch ahnt, irgendwo jenseits der Geräusche. 8 Uhr 30 und gerade mal ein Grad. Kalte, eiskristallklare Luft. Der letzte Hauch von Dämmerung ist verschwunden und der Schnee flirrt und leuchtet in der Morgensonne. Wobei – der Schnee stellt sich erst ab…

  • TOUR 60: NIEDALTDORF – AMMONITENWEG & HIRN-GALLENBERG-TOUR

    Es ist die erste Tour des noch jungen Jahres. Vielleicht ist das der Grund, warum ich fast so ein wenig das Gefühl habe, zu einer längeren Pilgertour aufzubrechen, obgleich es nicht einmal eine allzu lange Wanderung werden wird und obgleich an diesem Tag kaum etwas zu finden ist, was überhaupt dazu ermuntert, stundenlang durchs Gelände zu marschieren. Wie bei so vielen Touren zuvor ist das im Grunde jedoch eine ganz unkomplizierte Entweder-oder-Angelegenheit: Entweder ist der innere Antrieb vorhanden oder eben nicht, entweder man richtet sich auf die Umstände ein oder es ist besser, man bricht gar nicht erst auf. Zum Auftakt gibt es ein paar zaghafte Sonnenstrahlen, die den Bahnsteig…

  • TOUR 59 – FREMERSDORF – „DER BIETZERBERGER“

    Erster Teil: Der Wind Der Anfang entspricht ziemlich exakt dem, was erwartet werden kann, wenn man sich an einem kalten Dezembermorgen irgendwo im Niemandsland zu einer Wanderung aufmacht. Da ist dieser Bahnsteig, beginnend und endend in dunstigem Grau. Unter dem fahlen Himmel wirkt er wie abgetrennt von der übrigen Welt, wie eingesponnen in eine Hülle aus weißlich glimmendem Winterlicht. Wäre es völlig still gewesen, dann hätte ich den Eindruck haben können, am Ende der Welt angekommen zu sein. Wäre es völlig still gewesen, dann hätte dieser bis auf mich selbst leere Bahnsteig so verlassen gewirkt wie eine Eisscholle im Polarmeer. Aber es ist nicht völlig still. Ich höre eine Menge…

  • TOUR 58 – Itzenplitzer Pingenpfad

    52 Tage sind seit meiner letzten Wanderung ins Land gegangen. Beinahe ein ganzer Herbst ist gekommen, hat über viele Wochen hinweg alles in ein Farbenmeer verwandelt und liegt jetzt in den letzten Zügen, ohne dass ich auch nur einen einzigen Schritt auf einem Wanderpfad zurückgelegt hätte. Ein paar Wochen lang habe ich das rechte Bein nach einer Meniskusverletzung irgendwie mitgeschleppt, aber mit beinahe jedem Tag habe ich mich ein winziges Stück von einer Fortbewegungsart, die von simplem Gehen so weit entfernt war wie Schlammwaten von Höhlentauche, einem Zustand angenähert, der es mir erlaubt, mich endlich wieder auf den Weg zu machen. Der trübe Novembermorgen geht fast übergangslos in einen sonnigen,…

  • TOUR 57 – SAARLOUIS & VAUBAN-STEIG

    Der Morgen zieht blass und still herauf. In die wächserne Dämmerung mit ihren Schatten und Umrissen hinein breitet sich allmählich ein rötlicher Glanz aus. Zunächst ist es nur ein mattes, schwächliches Schimmern, kaum mehr als ein Zittern der Luft, von dem man fast den Eindruck hat, dass es nach dem nächsten Augenblinzeln schon wieder verschwunden sein könnte, aber nicht einmal zwei Minuten später hüllt es schon die Baumspitzen ein, dann die Stämme, und schließlich füllen sich auch die dunklen, unscharfen Bereiche tief unten am Boden mit warmem Licht. Keine fließenden Schemen mehr, sondern überall klare Linien, die Anker sind für den Blick. Als ich eine gute Stunde später dann vom…

  • VON BEXBACH ÜBER VIER PREMIUMWEGE NACH OTTWEILER

    Es gibt keine lange Dämmerung an diesem Morgen. Das nächtliche Dunkel geht für kaum länger als einen tiefen Atemzug in ein grau schimmerndes Zwielicht über, dann aber zieht ein strahlend heller Tag herauf. Am Himmel steht eine diamantene Sonne. Selbst in den engen Straßen, zwischen all den Begrenzungen durch Häuserfassaden und sonstige starre Strukturen fühlt es sich an, als würde man in die Weite eines bis zum Horizont schrankenlosen Ozeans hinaustreiben. Schon als ich mich um neun Uhr morgens vom Bahnhof Bexbach aus – am ältesten erhaltenen Bahnhofsgebäude des Saarlandes vorüber – auf den Weg mache, sind es weit über 20 Grad. Und obwohl es im Verlauf der nächsten Stunden…

  • TOUR 55: NECKARGERACH – MARGARETHENSCHLUCHT – EBERBACH

    Es ist eine jener Touren, die nicht zu Ende sind, wenn man den letzten Schritt getan hat. Eine der Touren, bei denen man eine ganze Lagerhalle mit schönen Eindrücken füllen könnte und bei denen noch lange danach immer wieder Bilder und zu Worten gewordene Bilder vor dem inneren Auge erstehen. Eine der Touren, bei denen sich irgendetwas dagegen sträubt, das Erlebte in Wesentliches und Unwesentliches zu unterteilen. Jana, mit der ich heute wieder unterwegs bin, kennt die Strecke von Neckargerach nach Eberbach gut genug, um den Weg im Schlaf zu finden. Unser erstes Ziel jedoch ist die Margarethenschlucht, und dazu schlagen wir zunächst ziemlich genau die entgegengesetzte Richtung ein. Ich…

  • TOUR 54 – VON ALSHEIM NACH OPPENHEIM

    Am späten Vormittag treffe ich in Alsheim ein. In den fast menschenleeren Straßen staut sich eine drückende, durch keinen noch so leichten Windhauch abgemilderte Hitze. Das Licht über den Dächern ist hell wie ein Gammastrahlenblitz. Selbst wenn man den Blick nur für einen winzigen, flüchtigen Moment zum Himmel richtet, keine Details unterscheidet, sondern nur die horizontlose Weite wahrnimmt, dann ist es beinahe, als würde man dieses allgegenwärtige Leuchten mit dem Atem in sich aufnehmen. Ich bin wieder auf dem Rheinterrassenweg unterwegs, zum dritten Mal mittlerweile. Im Mai 2017 bin ich von Worms bis Osthofen gewandert, irgendwann im März 2018 dann von Osthofen bis Alsheim. Anfangs musste ich mich ein wenig…

  • TOUR 53/2. TAG: VON KLEINWALLSTADT NACH MILTENBERG

    Der Tag beginnt mit dem steten Geräusch eines feinen, dünnen Regens. Der Wind treibt ihn durch die Straßen, trägt ihn weit übers Land. Nach und nach weicht das samtene Schwarz der Nacht einer brüchigen, trüben Dämmerung. Auf den Straßen graue Pfützen, in denen sich ein graues Licht spiegelt. Über dem Fluss steigen weiße Nebelgespinste auf. Dann endet der Regen. Während ich vom Bahnhof in Kleinwallstadt zum Main trotte, wird es mit jedem Atemholen heller. Erst über den Hügeln, dann an den Ufern des Flusses, dann über dem Wasser. Immer größer wird die Sonne und immer mehr Teile der Landschaft erobert sie. Ich kann buchstäblich dabei zusehen, wie das Grau sich…

  • TOUR 53/1. TAG: VON SODEN NACH KLEINWALLSTADT

    Die ersten Tage des Sommers sind nicht mehr fern. Hell, klar, licht, beinahe durchsichtig ist der Himmel, nur irgendwo am Rand ein Schatten von unnachgiebigem Grau. Es ist beinahe Mittag. Ein letzter Rest nächtlicher Stille ist noch übriggeblieben, allmählich zerfallend wie die verwitterte Spur einer alten, unbekannten Schrift. Kurze Bestandsaufnahme: Ich bin in Soden, unweit von Aschaffenburg, wo ich irgendwann im August des vergangenen Jahres – an einem Tag, der ähnlich hell und warm gewesen ist wie der heutige – Etappe Nummer 10 meiner Marienwegtour beendet habe. In den Tagen danach folgten damals noch die Etappen 11 bis 13, die mich von Würzburg nach Marktbreit führten. Die Lücke zwischen Soden…

  • TOUR 52: NECKARGEMÜND – BURGFESTE DILSBERG – NECKARSTEINACH

      Man muss warten können. Wenn man geht, von einem Punkt, von einem Ort zum nächsten, gleichgültig, ob schnell oder langsam und wie weit auch immer, dann muss man warten können. Es muss ein erwartungsloses Warten sein, eines, das nicht zwanghaft darauf ausgerichtet ist, einen bestimmten Zustand, eine bestimmte Empfindung zu erleben oder darauf, dass Antworten auf Fragen, die einem selbst nicht einmal bewusst waren, plötzlich in Flammenschrift am Himmel stehen. Manchmal geht man und geht und geht und geht, aber es tut sich nichts, als dass man einfach von einem Punkt A zu einem Punkt B gelangt. Manchmal aber ist irgendwann während des Gehens mit einem Mal etwas gegenwärtig,…

  • TOUR 51: ST. WENDEL – SKULPTURENSTRAßE – RÖTELSTEINPFAD – BOSTALSEE

    Es ist das Beständige am Gehen, das erst die Veränderung schafft, und je länger man unterwegs ist, je steter, desto mehr Unterschiedliches bekommt man zu sehen. Und im Laufe der Zeit – über die Wochen, Monate und Jahre hinweg – sammeln sich wie Wolken an einem regnerischen Abendhimmel die inneren Bilder an, mehr und immer mehr. Viele davon lassen sich auch nach langer Zeit noch exakt zuordnen, viele sind verknüpft mit der Erinnerung an eine ganz bestimmte Empfindung, von anderen ist beinahe nur noch eine Empfindung übriggeblieben. Manche leuchten fort wie Eiskristalle im Mondlicht, andere verblassen wie alte Scharzweißfotografien. Und so kommt es, dass Landkarten mittlerweile nicht mehr nur eine…

  • TOUR 50: VON OSTHOFEN NACH ALSHEIM

    Wie fast immer am Tag einer Wanderung gilt mein erster halbwegs wacher Blick an diesem Morgen den Wetterprognosen. Es wird ein kurzer Blick. Zweistellige Temperaturen, ein paar Stunden nahezu wolkenloser Himmel, kein Regen, kein Gewitter, kein Sturm, nichts, was nach einer wirklichen Beeinträchtigung aussieht. Mein zweiter, schon etwas wacherer Blick, ist dem Plan für heute gewidmet. Rund 16 leichte Kilometer auf dem Rheinterrassenweg sind vorgesehen, von Osthofen – wo ich im Mai letzten Jahres schon einmal gewesen bin – über Mettenheim bis Alsheim. Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was mich erwartet, aber dennoch wird es auch diesmal an überraschenden, an unerwarteten Momenten nicht fehlen. Der Beginn der Wanderung…

  • TOUR 49: BLIESKASTEL – MARIANNENWEG – KIRKEL

    Es gibt bei dieser Wanderung einen Moment, der kaum länger andauert als der Flügelschlag eines Kolibris, der mir aber hinterher dennoch so präsent ist, als hätte er über viele Minuten hinweg Bestand gehabt, einen Moment, intensiv und still zugleich, der ebenso gut in einen lebhaften Traum kurz vor dem Aufwachen passen würde wie in die Welt realer Erlebnisse. Ich stehe zwischen geraden, hohen Stämmen, deren Schatten wie schmale Finger über moosbedeckte Baumstümpfe und ein Gewirr von Ästen und Wurzeln hinwegtasten. Mit einem Mal – diesen einen, winzigen Moment lang – ist es so still, dass selbst die eigenen Gedanken laut erscheinen. Nichts rührt sich. Der Wald schläft, die Erde schläft.…

  • TOUR 48 – VON SAARBRÜCKEN NACH BENING-LES-ST.-AVOLD

    Die Geschichte dieser Wanderung ist eine Geschichte des beginnenden Frühlings. Es ist die Geschichte einer milden, flüsternden Windstimme über stillen Wiesen und Äckern, die manchmal nicht mehr ist als ein kaum hörbarer Hauch, manchmal sogar noch weniger als ein Hauch, etwas, das nur noch als lautloses Wehen an den Spitzen der Grashalme erkennbar ist. Es ist die Geschichte eines ruhigen, hellen Blaus, das den Himmel ausfüllt, so weit das Auge reicht, unter dem die Straßen und Wege und Pfade, so grau sie auch sein mögen, leuchten wie silberne Fäden und unter dem alles so friedlich wirkt, als sei es in einen tiefen Schlaf versunken. Es ist eine Geschichte vom Licht,…

  • TOUR 47 – PANORAMAWEG ERBACH – MICHELSTADT

    Der Entscheidungsfindungsprozess für diese Wanderung erweist sich als komplizierte, langwierige Prozedur aus Suchen, Vergleichen, Zusammenfügen und Verwerfen. Mit keiner Strecke bin ich so recht zufrieden und als ich mich irgendwann dann für den Panoramaweg Erbach – Michelstadt entscheide, tue ich das in erster Linie, um das Ganze endlich zu einem Ende zu bringen. Aber es ist wie so oft – man macht sich nicht großartig Gedanken darüber, was einen wohl erwarten könnte, stiefelt einfach los, und was dann kommt, das ist der Jackpot, und es stellt sich ein Gefühl ein, als hätte man plötzlich die Fähigkeit, aus Stroh Gold zu spinnen oder so etwas. Es ist kalt an diesem Morgen…

  • TOUR 46: FINKENRECH- BIBERPFAD – 5-WEIHER-TOUR

      Es ist endlich einmal wieder an der Zeit. An der Zeit für eine aus der Stimmung des Augenblicks geborene, ins Ungewisse hinein gerichtete, lediglich auf einige wenige Orientierungspunkte sich stützende Spontanwanderung. Ich will lange gehen. Ich will weit gehen. Ich will die Intensität und zugleich die Entspannung eines viele Stunden währenden Gehens spüren. Und außerdem steht mir der Sinn danach, die Choreografie der Wanderung möglichst abwechslungsreich zu gestalten und nicht einfach nur für ein paar Stunden in einem kahlen Januarwald zu verschwinden und dann wieder aufzutauchen. Ich breche spät auf, erst gegen elf Uhr. Dafür beginnt die Wanderung aber auch buchstäblich mit dem ersten Schritt zur Tür hinaus. Anders…

  • TOUR 45: NEUSTADT/WEINSTR. – HOHFELS – LINDENBERG

    Es ist die allererste Wanderung des Jahres. Ein wenig ist das so, als würdest du ein neues Buch aufschlagen und all den labyrinthisch verschlungenen Pfaden und geheimnisvollen Wegen darin folgen, die zu immer neuen, unbekannten Orten führen. Anders jedoch als bei den meisten Büchern, deren Schattengestalten nur so lange lebendig sind, wie du liest, und die aufhören zu existieren, sobald du das Buch zur Seite legst, bleiben deine Touren dir noch lange im Gedächtnis, sie sind Teil deiner Erinnerung, Teil deiner selbst, und an die besten und eindrücklichsten davon denkst du immer wieder zurück.   Heute spricht nicht allzu viel dafür, dass die Wanderung sich tief in mein Gedächtnis eingraben…

  • TOUR 44: BHF FISCHBACH – WILDER NETZBACHPFAD & URWALDTOUR

    Es ist die Zeit der nebligen, verhangenen Spätherbstmorgen. Der Himmel ist ein grauer See, der sich von einem Rand des Blickfeldes bis zum anderen erstreckt. Das Grau ist nicht nur am Himmel, sondern es ist überall. Aber immerhin ist es kein wirklich tristes Grau, keines von der Art, das sich anfühlt, als würde man den Staub tausender stockfleckiger Buchrücken einatmen. Es ist kurz vor zehn, als ich mich vom Bahnsteig in Fischbach aus auf den Weg mache. Im Groben sieht mein Plan so aus: Erst einmal vom Bahnhof zum Netzbachweiher gehen, dort dann den Wilden Netzbachpfad in Angriff nehmen, etwa bei Kilometer 6 auf die benachbarte Urwaldtour wechseln, danach noch…

  • TOUR 43: HOCHSTETTEN-DHAUN – FELSENGARTEN SIMMERTAL – MARTINSTEIN

      Anmerkung: Es handelt sich um eine Wanderung, die Mitte August stattfand, ein paar Tage vor dem Start der letzten Marienwegetappen. Zum zweiten Mal in diesem Jahr bin ich in Hochstetten-Dhaun, einem kleinen, übersichtlichen Ort an der Bahnstrecke von Idar-Oberstein nach Bad Kreuznach. Beim ersten Mal – Mitte Februar auf dem Wildgrafenweg – war selbst für unempfänglichste Sinne der nahe Frühling schon so spürbar gewesen, als sei es tatsächhlich bereits April oder Mai. Damals war es vor allem das Licht in seinen verschiedenen Spielarten, das die Wanderung prägte, sie zu etwas Außergewöhnlichem machte. Gleißendes Licht. Sanft durch noch unbelaubte Baumkronen fallendes Licht. Licht in Kaskaden. Wie über die Ufer getretenes…

  • TOUR 42: BHF BAUMHOLDER – BÄRENBACHPFAD

    Es ist Mitte Oktober. Aber es könnte genauso gut ein Tag irgendwann im August sein. Bereits morgens um acht ist das Licht über der Landschaft gleißend hell und ein samtgrüner, wie aus einer unwirklichen Zwischenwelt herüberleuchtender Schimmer hüllt nach und nach alles ein. auch die dunklen Streifen ganz nahe an den Baumstämmen und die schwarzen Furchen der Äcker und die grauen Steine am Wegrand. Selbst in den Senken, ganz unten, wo der Morgendunst sich noch hält, leuchtet es golden. Man hat beinahe den Eindruck, als könne alles ringsumher jeden Augenblick wegfliegen, davongetragen werden vom Hauch dieses Sommermorgens im Oktober. Im Grunde könnte man die ganze Zeit mit Stehenbleiben, Schauen und…

  • TOUR 41/4. & 5. TAG: VON SOMMERHAUSEN NACH MARKTBREIT

    Vierter Tag. Im Laufe dieses Tages werde ich ganz nahe an eine Grenze herankommen, so nahe, dass ich sie buchstäblich mit jedem Schritt überschreiten könnte. Eine Grenze, von der ich nicht gedacht hätte, dass sie tatsächlich existiert, oder vielmehr, über deren Existenz ich mir nie Gedanken machen musste. Nach und nach in einen gewissen Automatismus des Gehens hineinzugelangen, der dazu führt, dass man ohne noch groß über dies oder jenes nachzudenken vor sich hinstiefelt und einfach einen Schritt auf den nächsten folgen lässt, mit dem unterschwelligen Gefühl, dass man nichts lieber tun würde als das, was man gerade tut, das habe ich bei stundenlangem Gehen ohne Pause ja schon häufiger…

  • TOUR 41/3. TAG: VON WÜRZBURG NACH SOMMERHAUSEN

    Dritter Tag. Es ist ein Morgen wie ein eingelöstes Feenversprechen. Der Himmel über der Stadt ist so weit wie ein Meer ohne Horizont. Und mit beinahe jeder Minute scheint er noch ein Stück weiter und noch eine Nuance heller zu werden. Die Choreographie der heutigen Etappe ist eine nahezu perfekte Mischung aus Bewegung und Innehalten, aus Erleben und Erfassen, aus Flüchtigkeit und Tiefe, und irgendwann im Laufe dieses Tages stellt sich jenes Gefühl von Freiheit und vielleicht auch von Glück ein, das alles, was irgendwie nach Zweifel oder Anspannung aussieht, eliminiert. Heute und auch am nächsten Tag muss ich an eine Sache keinen Gedanken verschwenden, nämlich, ob ich rechtzeitig an…

  • TOUR 41/TAG 1 & 2: VON ASCHAFFENBURG NACH SODEN

    Es gibt einen bestimmten Moment während dieser fünftägigen Tour, einen im Grunde zwar unscheinbaren und lange im Verborgenen verharrenden Moment, der irgendwann jedoch in meinem Bewusstsein aufleuchtet wie ein Meteor am Nachthimmel. Es ist der Nachmittag des vierten Tages. Von der ersten Sekunde an marschiere ich an diesem Tag über schier endlose Asphaltwege, durch ein einsames, abgeschiedenes Niemandsland, viele Stunden lang, Kilometer um Kilometer, ohne einen einzigen Augenblick innezuhalten. Oft verlaufen die Trassen schnurgerade auf den Horizont zu und scheinen irgendwo dort in den tief über die abgeernteten Felder dahinziehenden Wolken zu verschwinden. Ich denke nicht mehr nach. Ich nehme keine Einschätzungen mehr vor. Gehen, atmen, trinken, das ist im…

  • Tour 40: ANNWEILER AM TRIFELS – RICHARD-LÖWENHERZ-WEG & BURGENWEG

    Ich denke zurück. An die Anfänge. An eine Zeit, als ich noch keine klare Vorstellung davon hatte, was sich aus dem, was ich da gerade dabei war zu beginnen, entwickeln sollte, was ich selbst überhaupt anstrebte. Ich denke zurück. An all die wie Steine in der Tiefe eines Brunnens in den Katakomben meiner Erinnerung ruhenden Bilder und Wahrnehmungen, manche bereits verblasst wie alte Fotografien, manche jedoch auch immer noch so gegenwärtig wie gerade eben erst gespeichert. Vermutlicht gibt es keine Grenze für das Staunen, kein Maß, das man überschreitet, um danach hinabzusinken in einen Ozean schwarzer Gleichgültigkeit. Ich denke zurück. An so viele Wege, so viele Pfade, die ich mittlerweile…