• TOUR 69 – VON BALDUINSTEIN NACH OBERNHOF, 1. TEIL

    Erster Tag. Wir brechen spät auf zu dieser Wanderung, erst gegen halb vier Uhr am Nachmittag. Der Sommer steht unmittelbar bevor und in den Straßen ist es drückend wie in einer Waschküche des frühen 20. Jahrhunderts. Der Himmel ist ein Block aus weißem Licht, weit und hoch. Später wird immer mehr und immer dunkleres Blau sich darüber ausbreiten, fast schon eine Ahnung von Spätsommer mit sich bringend, aber es wird die ganze Zeit warm und trocken bleiben und erst irgendwann am Abend, kurz nach Sonnenuntergang, wird der Himmel plötzlich wie ein glatter, grauer Steinboden sein. Jana, mit der ich auch heute wieder unterwegs bin, kennt die Gegend genauso wenig wie…

  • TOUR 68 – HEIDELBERG: KÖNIGSTUHL – KOHLHOF – SCHLOSS

    Selten hatte ich zu Beginn einer Tour eine weniger konkrete Vorstellung davon, was mich erwarten könnte als diesmal. Das gilt zumindest für den größten Teil der Wanderung, nämlich so ziemlich für jeden einzelnen Schritt von dem Moment an, als wir uns von der Bergbahnstation Königstuhl aus auf den Weg machen bis zu jenem Augenblick, als wir ein paar Stunden später nach einem planlosen, aber großartigen Erkundungsmarsch durch den Heidelberger Stadtwald fast exakt an unseren Ausgangspunkt zurückkehren und uns dann über die Himmelsleiter auf den Weg zum Schloss hinunter machen. Wie bei allen meinen Neckartouren bin ich auch heute mit Jana unterwegs. Am Aussichtspunkt auf dem Königstuhl suchen wir uns erst…

  • TOUR 67: VON OCHSENFURT NACH KITZINGEN

    Manchmal gibt es keinen richtigen Anfang. Man geht in der Erinnerung bis zu einem bestimmten Punkt zurück, und dann geht man weiter zurück und noch weiter, vielleicht sogar bis dahin, wo Erinnerung kaum noch mehr ist als ein fast lichtloser Canyon oder ein Höhlengebilde, in dem nichts mehr als vergessene, verschüttete Gänge und Stollen existieren, und das einzig Verlässliche, auf das man dabei stößt, ist die simple Erkenntnis, dass der Anfang, nach dem man gesucht hat, nicht exakt zu bestimmen ist. Ungefähr so geht es mir mit dem Marienweg. Da ist natürlich der Tag, an dem ich den allerersten Schritt der allerersten Etappe gemacht habe. Das war vor gut zwei…

  • TOUR 66 – VON IDAR-OBERSTEIN ÜBER DEN HILDEGARDWEG & DEN KUPFER-JASPIS-PFAD NACH FISCHBACH

    Es gibt Wanderungen, bei denen buchstäblich vom ersten Schritt an eine unbändige und durch so gut wie nichts zu beeinträchtigende Freude vom Kopf bis hinunter in die Zehenspitzen pulsiert. Es ist, als sei irgendwo im Körper ein Mechanismus in Gang gesetzt worden, der für einen ununterbrochenen Nachschub an positiven Empfindungen sorgt. Das hat nichts mit übersteigerter Erwartungshaltung zu tun, es hat nicht einmal unbedingt überhaupt etwas mit irgendeiner Art von Erwartung zu tun, sondern es ist eine Freude, die sich an sich selbst nährt und sich ganz auf den Augenblick und höchstens noch auf die nächsten Minuten konzentriert. Heute ist so ein Tag. Ich bin in einer Stimmung, die vermutlich…

  • TOUR 65 – VON MILTENBERG NACH AMORBACH

    Erster Teil: Weiß Das Weiß ist nicht überall. Der milchige Schimmer zum Beispiel, der über dem Main liegt, ist nicht weiß. Er ist nicht weiß und nicht silbern und nicht blau und doch von allem etwas. Er ist wie der allerletzte, feine Überrest eines Nebelgespinstes, das von der Morgendämmerung noch geblieben ist und das sich nun endgültig verflüchtigt. Obwohl es bereits halb zehn ist, hat man dadurch den Eindruck, als sei es noch ganz früh am Morgen. In erster Linie ist das Weiß am Himmel und jenseits der Hügel. Es bewirkt ein unaufdringliches, fast behutsames Licht, das nach und nach immer heller wird. Ganz aber löst sich der Dunst nicht…

  • TOUR 64 – HOMBURG: SCHLOSSBERGTOUR & HERZOG-II-KARL-AUGUST-PFAD

    Vor einigen Monaten las ich den Reisebericht eines Pilgers, in dem ich irgendwann auf die Aussage stieß, dass ihm die konkrete Route, auf der er seine Ziele erreiche, gar nicht so wichtig sei. An diesem Satz blieb ich hängen. Erstens, weil er in Zeiten exakt festgelegter GPS-Touren für eine immer seltener werdende Einstellung zum Unterwegssein steht. Und zweitens natürlich, weil er meiner eigenen Herangehensweise ziemlich nahekommt. Freiwillige oder unfreiwillige Umwege, mich treiben lassen, spontane Veränderungen der Route und – wenn es sein muss – auch des Zielortes, das gehört für mich zum Gehen genauso dazu wie Rucksack und Wanderschuhe. Dass es Touren gibt, bei denen ich einfach nur möglichst unproblematisch…

  • TOUR 63- BADEN-BADEN: BHF – PANORAMAWEG – MERKURBERGBAHN

    Es ist ein grauer Sonntagmorgen Anfang März. Es gibt überhaupt keine andere Farbe als Grau, und es ist nicht einfach nur ein oberflächliches, bei näherem Hinsehen in alle möglichen weniger tristen Farbtöne sich auflösendes Grau, sondern es ist ein Grau wie aus Mondgestein gemeißelt. Es sieht wirklich nicht so aus, dass sich dieses Grau in den nächsten Stunden abmildern wird. Aber abgesehen davon, dass es natürlich angenehmer ist, unter einem ästhetisch perfekten blauen Himmel dahinzuwandern als unter einem, der aussieht wie eine Tinktur aus den Gedanken von Teilnehmern eines Misanthropenkongresses, ist das nicht weiter schlimm. Störender ist da schon der Wind. In den letzten Wochen hat es so viele Sturmwarnungen…

  • TOUR 62 – VON HIRSCHHORN NACH EBERBACH

    Es ist Mitte Februar, aber allzu viel erinnert nicht mehr an den Winter. Der Himmel wirkt unendlich weit und so hoch, als würde man an einem warmen Sommertag irgendwo im Gras liegen und den träge dahintreibenden Wolken nachschauen. Es ist wie in einem Traum vom Beginn des Frühlings. Man hat das Gefühl, dass es seit Wochen keinen grauen, trostlosen Tag mehr gegeben hat und noch viel, viel länger keinen mehr geben wird. Ich bin heute wieder mit Jana unterwegs. Wir haben uns eine ziemlich kurze und sehr leichte Strecke ausgesucht, nämlich von Hirschhorn in Hessen immer am Neckar entlang bis Eberbach in Baden-Württemberg. Auf der gesamten Wanderung erwarten uns nur…

  • TOUR 61 – HÖCHSTEN UND ERZGRÄBERWEG

    Es sind diese ersten Minuten nach der Dämmerung. Etwas von der rauen, schwarzen Kälte der Nacht ist immer noch da. Die Stille über den schneebedeckten Feldern ist eine Winterstille und zugleich eine Dämmerstille, aber von Atemzug zu Atemzug wird sie brüchiger und durchlässiger. Die Geräusche des erwachten Tages zersetzen sie, bis nur noch so viel von ihr übrig ist, dass man sie nicht mehr bewusst wahrnimmt, sondern sie nur noch ahnt, irgendwo jenseits der Geräusche. 8 Uhr 30 und gerade mal ein Grad. Kalte, eiskristallklare Luft. Der letzte Hauch von Dämmerung ist verschwunden und der Schnee flirrt und leuchtet in der Morgensonne. Wobei – der Schnee stellt sich erst ab…

  • TOUR 60: NIEDALTDORF – AMMONITENWEG & HIRN-GALLENBERG-TOUR

    Es ist die erste Tour des noch jungen Jahres. Vielleicht ist das der Grund, warum ich fast so ein wenig das Gefühl habe, zu einer längeren Pilgertour aufzubrechen, obgleich es nicht einmal eine allzu lange Wanderung werden wird und obgleich an diesem Tag kaum etwas zu finden ist, was überhaupt dazu ermuntert, stundenlang durchs Gelände zu marschieren. Wie bei so vielen Touren zuvor ist das im Grunde jedoch eine ganz unkomplizierte Entweder-oder-Angelegenheit: Entweder ist der innere Antrieb vorhanden oder eben nicht, entweder man richtet sich auf die Umstände ein oder es ist besser, man bricht gar nicht erst auf. Zum Auftakt gibt es ein paar zaghafte Sonnenstrahlen, die den Bahnsteig…

  • TOUR 59 – FREMERSDORF – „DER BIETZERBERGER“

    Erster Teil: Der Wind Der Anfang entspricht ziemlich exakt dem, was erwartet werden kann, wenn man sich an einem kalten Dezembermorgen irgendwo im Niemandsland zu einer Wanderung aufmacht. Da ist dieser Bahnsteig, beginnend und endend in dunstigem Grau. Unter dem fahlen Himmel wirkt er wie abgetrennt von der übrigen Welt, wie eingesponnen in eine Hülle aus weißlich glimmendem Winterlicht. Wäre es völlig still gewesen, dann hätte ich den Eindruck haben können, am Ende der Welt angekommen zu sein. Wäre es völlig still gewesen, dann hätte dieser bis auf mich selbst leere Bahnsteig so verlassen gewirkt wie eine Eisscholle im Polarmeer. Aber es ist nicht völlig still. Ich höre eine Menge…

  • TOUR 58 – Itzenplitzer Pingenpfad

    52 Tage sind seit meiner letzten Wanderung ins Land gegangen. Beinahe ein ganzer Herbst ist gekommen, hat über viele Wochen hinweg alles in ein Farbenmeer verwandelt und liegt jetzt in den letzten Zügen, ohne dass ich auch nur einen einzigen Schritt auf einem Wanderpfad zurückgelegt hätte. Ein paar Wochen lang habe ich das rechte Bein nach einer Meniskusverletzung irgendwie mitgeschleppt, aber mit beinahe jedem Tag habe ich mich ein winziges Stück von einer Fortbewegungsart, die von simplem Gehen so weit entfernt war wie Schlammwaten von Höhlentauche, einem Zustand angenähert, der es mir erlaubt, mich endlich wieder auf den Weg zu machen. Der trübe Novembermorgen geht fast übergangslos in einen sonnigen,…

  • TOUR 57 – SAARLOUIS & VAUBAN-STEIG

    Der Morgen zieht blass und still herauf. In die wächserne Dämmerung mit ihren Schatten und Umrissen hinein breitet sich allmählich ein rötlicher Glanz aus. Zunächst ist es nur ein mattes, schwächliches Schimmern, kaum mehr als ein Zittern der Luft, von dem man fast den Eindruck hat, dass es nach dem nächsten Augenblinzeln schon wieder verschwunden sein könnte, aber nicht einmal zwei Minuten später hüllt es schon die Baumspitzen ein, dann die Stämme, und schließlich füllen sich auch die dunklen, unscharfen Bereiche tief unten am Boden mit warmem Licht. Keine fließenden Schemen mehr, sondern überall klare Linien, die Anker sind für den Blick. Als ich eine gute Stunde später dann vom…

  • VON BEXBACH ÜBER VIER PREMIUMWEGE NACH OTTWEILER

    Es gibt keine lange Dämmerung an diesem Morgen. Das nächtliche Dunkel geht für kaum länger als einen tiefen Atemzug in ein grau schimmerndes Zwielicht über, dann aber zieht ein strahlend heller Tag herauf. Am Himmel steht eine diamantene Sonne. Selbst in den engen Straßen, zwischen all den Begrenzungen durch Häuserfassaden und sonstige starre Strukturen fühlt es sich an, als würde man in die Weite eines bis zum Horizont schrankenlosen Ozeans hinaustreiben. Schon als ich mich um neun Uhr morgens vom Bahnhof Bexbach aus – am ältesten erhaltenen Bahnhofsgebäude des Saarlandes vorüber – auf den Weg mache, sind es weit über 20 Grad. Und obwohl es im Verlauf der nächsten Stunden…

  • TOUR 55: NECKARGERACH – MARGARETHENSCHLUCHT – EBERBACH

    Es ist eine jener Touren, die nicht zu Ende sind, wenn man den letzten Schritt getan hat. Eine der Touren, bei denen man eine ganze Lagerhalle mit schönen Eindrücken füllen könnte und bei denen noch lange danach immer wieder Bilder und zu Worten gewordene Bilder vor dem inneren Auge erstehen. Eine der Touren, bei denen sich irgendetwas dagegen sträubt, das Erlebte in Wesentliches und Unwesentliches zu unterteilen. Jana, mit der ich heute wieder unterwegs bin, kennt die Strecke von Neckargerach nach Eberbach gut genug, um den Weg im Schlaf zu finden. Unser erstes Ziel jedoch ist die Margarethenschlucht, und dazu schlagen wir zunächst ziemlich genau die entgegengesetzte Richtung ein. Ich…

  • TOUR 54 – VON ALSHEIM NACH OPPENHEIM

    Am späten Vormittag treffe ich in Alsheim ein. In den fast menschenleeren Straßen staut sich eine drückende, durch keinen noch so leichten Windhauch abgemilderte Hitze. Das Licht über den Dächern ist hell wie ein Gammastrahlenblitz. Selbst wenn man den Blick nur für einen winzigen, flüchtigen Moment zum Himmel richtet, keine Details unterscheidet, sondern nur die horizontlose Weite wahrnimmt, dann ist es beinahe, als würde man dieses allgegenwärtige Leuchten mit dem Atem in sich aufnehmen. Ich bin wieder auf dem Rheinterrassenweg unterwegs, zum dritten Mal mittlerweile. Im Mai 2017 bin ich von Worms bis Osthofen gewandert, irgendwann im März 2018 dann von Osthofen bis Alsheim. Anfangs musste ich mich ein wenig…

  • TOUR 53/2. TAG: VON KLEINWALLSTADT NACH MILTENBERG

    Der Tag beginnt mit dem steten Geräusch eines feinen, dünnen Regens. Der Wind treibt ihn durch die Straßen, trägt ihn weit übers Land. Nach und nach weicht das samtene Schwarz der Nacht einer brüchigen, trüben Dämmerung. Auf den Straßen graue Pfützen, in denen sich ein graues Licht spiegelt. Über dem Fluss steigen weiße Nebelgespinste auf. Dann endet der Regen. Während ich vom Bahnhof in Kleinwallstadt zum Main trotte, wird es mit jedem Atemholen heller. Erst über den Hügeln, dann an den Ufern des Flusses, dann über dem Wasser. Immer größer wird die Sonne und immer mehr Teile der Landschaft erobert sie. Ich kann buchstäblich dabei zusehen, wie das Grau sich…

  • TOUR 53/1. TAG: VON SODEN NACH KLEINWALLSTADT

    Die ersten Tage des Sommers sind nicht mehr fern. Hell, klar, licht, beinahe durchsichtig ist der Himmel, nur irgendwo am Rand ein Schatten von unnachgiebigem Grau. Es ist beinahe Mittag. Ein letzter Rest nächtlicher Stille ist noch übriggeblieben, allmählich zerfallend wie die verwitterte Spur einer alten, unbekannten Schrift. Kurze Bestandsaufnahme: Ich bin in Soden, unweit von Aschaffenburg, wo ich irgendwann im August des vergangenen Jahres – an einem Tag, der ähnlich hell und warm gewesen ist wie der heutige – Etappe Nummer 10 meiner Marienwegtour beendet habe. In den Tagen danach folgten damals noch die Etappen 11 bis 13, die mich von Würzburg nach Marktbreit führten. Die Lücke zwischen Soden…

  • TOUR 52: NECKARGEMÜND – BURGFESTE DILSBERG – NECKARSTEINACH

      Man muss warten können. Wenn man geht, von einem Punkt, von einem Ort zum nächsten, gleichgültig, ob schnell oder langsam und wie weit auch immer, dann muss man warten können. Es muss ein erwartungsloses Warten sein, eines, das nicht zwanghaft darauf ausgerichtet ist, einen bestimmten Zustand, eine bestimmte Empfindung zu erleben oder darauf, dass Antworten auf Fragen, die einem selbst nicht einmal bewusst waren, plötzlich in Flammenschrift am Himmel stehen. Manchmal geht man und geht und geht und geht, aber es tut sich nichts, als dass man einfach von einem Punkt A zu einem Punkt B gelangt. Manchmal aber ist irgendwann während des Gehens mit einem Mal etwas gegenwärtig,…

  • TOUR 51: ST. WENDEL – SKULPTURENSTRAßE – RÖTELSTEINPFAD – BOSTALSEE

    Es ist das Beständige am Gehen, das erst die Veränderung schafft, und je länger man unterwegs ist, je steter, desto mehr Unterschiedliches bekommt man zu sehen. Und im Laufe der Zeit – über die Wochen, Monate und Jahre hinweg – sammeln sich wie Wolken an einem regnerischen Abendhimmel die inneren Bilder an, mehr und immer mehr. Viele davon lassen sich auch nach langer Zeit noch exakt zuordnen, viele sind verknüpft mit der Erinnerung an eine ganz bestimmte Empfindung, von anderen ist beinahe nur noch eine Empfindung übriggeblieben. Manche leuchten fort wie Eiskristalle im Mondlicht, andere verblassen wie alte Scharzweißfotografien. Und so kommt es, dass Landkarten mittlerweile nicht mehr nur eine…

  • TOUR 50: VON OSTHOFEN NACH ALSHEIM

    Wie fast immer am Tag einer Wanderung gilt mein erster halbwegs wacher Blick an diesem Morgen den Wetterprognosen. Es wird ein kurzer Blick. Zweistellige Temperaturen, ein paar Stunden nahezu wolkenloser Himmel, kein Regen, kein Gewitter, kein Sturm, nichts, was nach einer wirklichen Beeinträchtigung aussieht. Mein zweiter, schon etwas wacherer Blick, ist dem Plan für heute gewidmet. Rund 16 leichte Kilometer auf dem Rheinterrassenweg sind vorgesehen, von Osthofen – wo ich im Mai letzten Jahres schon einmal gewesen bin – über Mettenheim bis Alsheim. Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was mich erwartet, aber dennoch wird es auch diesmal an überraschenden, an unerwarteten Momenten nicht fehlen. Der Beginn der Wanderung…

  • TOUR 49: BLIESKASTEL – MARIANNENWEG – KIRKEL

    Es gibt bei dieser Wanderung einen Moment, der kaum länger andauert als der Flügelschlag eines Kolibris, der mir aber hinterher dennoch so präsent ist, als hätte er über viele Minuten hinweg Bestand gehabt, einen Moment, intensiv und still zugleich, der ebenso gut in einen lebhaften Traum kurz vor dem Aufwachen passen würde wie in die Welt realer Erlebnisse. Ich stehe zwischen geraden, hohen Stämmen, deren Schatten wie schmale Finger über moosbedeckte Baumstümpfe und ein Gewirr von Ästen und Wurzeln hinwegtasten. Mit einem Mal – diesen einen, winzigen Moment lang – ist es so still, dass selbst die eigenen Gedanken laut erscheinen. Nichts rührt sich. Der Wald schläft, die Erde schläft.…

  • TOUR 48 – VON SAARBRÜCKEN NACH BENING-LES-ST.-AVOLD

    Die Geschichte dieser Wanderung ist eine Geschichte des beginnenden Frühlings. Es ist die Geschichte einer milden, flüsternden Windstimme über stillen Wiesen und Äckern, die manchmal nicht mehr ist als ein kaum hörbarer Hauch, manchmal sogar noch weniger als ein Hauch, etwas, das nur noch als lautloses Wehen an den Spitzen der Grashalme erkennbar ist. Es ist die Geschichte eines ruhigen, hellen Blaus, das den Himmel ausfüllt, so weit das Auge reicht, unter dem die Straßen und Wege und Pfade, so grau sie auch sein mögen, leuchten wie silberne Fäden und unter dem alles so friedlich wirkt, als sei es in einen tiefen Schlaf versunken. Es ist eine Geschichte vom Licht,…

  • TOUR 47 – PANORAMAWEG ERBACH – MICHELSTADT

    Der Entscheidungsfindungsprozess für diese Wanderung erweist sich als komplizierte, langwierige Prozedur aus Suchen, Vergleichen, Zusammenfügen und Verwerfen. Mit keiner Strecke bin ich so recht zufrieden und als ich mich irgendwann dann für den Panoramaweg Erbach – Michelstadt entscheide, tue ich das in erster Linie, um das Ganze endlich zu einem Ende zu bringen. Aber es ist wie so oft – man macht sich nicht großartig Gedanken darüber, was einen wohl erwarten könnte, stiefelt einfach los, und was dann kommt, das ist der Jackpot, und es stellt sich ein Gefühl ein, als hätte man plötzlich die Fähigkeit, aus Stroh Gold zu spinnen oder so etwas. Es ist kalt an diesem Morgen…

  • TOUR 46: FINKENRECH- BIBERPFAD – 5-WEIHER-TOUR

      Es ist endlich einmal wieder an der Zeit. An der Zeit für eine aus der Stimmung des Augenblicks geborene, ins Ungewisse hinein gerichtete, lediglich auf einige wenige Orientierungspunkte sich stützende Spontanwanderung. Ich will lange gehen. Ich will weit gehen. Ich will die Intensität und zugleich die Entspannung eines viele Stunden währenden Gehens spüren. Und außerdem steht mir der Sinn danach, die Choreografie der Wanderung möglichst abwechslungsreich zu gestalten und nicht einfach nur für ein paar Stunden in einem kahlen Januarwald zu verschwinden und dann wieder aufzutauchen. Ich breche spät auf, erst gegen elf Uhr. Dafür beginnt die Wanderung aber auch buchstäblich mit dem ersten Schritt zur Tür hinaus. Anders…