FOTO-WANDERUNG 167 – VON WEISBACH NACH NECKARGERACH
Schauplatz des Beginns dieser Wanderung ist eine Hochfläche des Odenwalds, nur ein paar Kilometer entfernt von dessen höchster Erhebung, dem 626 Meter hohen Katzenbuckel. Es ist eine Landschaft, wie fürs Wandern gemacht. Wege zwischen Wiesen und Äckern, oft überallhin freier Blick, kleine Dörfer irgendwo, Wege und Straßen wie Silberfäden, der Horizont wie eine Grenze zum Nichts.
Von der Hochfläche aus wandere ich dann über praktisch menschenleere Waldwege nach Neckargerach hinunter, teilweise auf dem Katzensteig, teilweise auf einer Route, welche mit einer roten Raute gekennzeichnet ist.
Länge der Wanderung: ca. 11 Kilometer
Am Ortsrand von Weisbach. Gleich die ersten Eindrücke versprechen eine schöne Wanderung in ländlicher Abgeschiedenheit.

Ich befinde mich hier im sogenannten Buntsandstein-Odenwald, wobei zwischen Oberem, Mittlerem und Unterem Buntsandstein unterschieden wird. Gerade der Mittlere Buntsandstein wurde sehr oft als Baumaterial verwendet, beispielsweise für das Heidelberger Schloss oder auch die Burg – mittlerweile das Schloss – in Zwingenberg.

Erholsame Abgeschiedenheit, verstärkt durch eine herrliche Frühlingsatmosphäre

Die nahe Straße ändert wenig bis nichts an der Beschaulichkeit.

Die Klarheit dieses Tages ist phänomenal. Überall zeichnen sich akkurate Linien ab, nur in der Ferne gibt es so etwas wie fließende Übergänge. Der stetige und eher kalte als warme Wind ist allerdings etwas unangenehm.
Ich trabe auf Mülben zu, genau wie Weisbach ein Ortsteil von Waldbrunn.

Blick auf Mülben. Das Gebiet hier herum trägt auch die Bezeichnung „Winterhauch“, und wie es scheint, ist solch ein windiger Tag wie heute hier oben tatsächlich keine Seltenheit.

Äußere Ruhe, innere Ruhe, wieder einmal.

In regelmäßigen Abständen ist eine rote Raute zu sehen und der so gekennzeichnete Wanderweg führt ebenso wie der Katzensteig nach Neckargerach. Die beiden Wanderwege scheinen über Kilometer hinweg einigermaßen parallel zu verlaufen und sich dann kurz vor Neckargerach zu kreuzen,

Wunderbarer Frühlingswald

Eine bessere Ergänzung zu den Asphaltwegen im freien, übersichtlichen Gelände könnte es kaum geben als diese schmalen Waldpfade.

Dann jedoch ist es vorbei mit den schmalen Pfaden. Nicht schlimm, zumal ich weiterhin durch sehr angenehmen Frühlingswald laufe. Ich befinde mich jetzt irgendwo zwischen Weisbach und Schollbrunn, und es ist abzusehen, dass die Kilometer, die noch vor mir liegen, in erster Linie bergab führen werden.

Auf einsamen Wegen wandere ich nun bergab, stets der roten Raute folgend. Ansatzweise fühle ich mich an den nördlichen Spessart erinnert, wo ich bei einer denkwürdigen Etappe nachts auf einer Bank am Straßenrand übernachten musste, weil ich mich vollkommen verirrt hatte und es um Mitternacht schließlich aufgab, noch irgendwie den Weg zum Hotel finden zu wollen.
Ganz so einsam wie damals ist es dann allerdings doch nicht, denn plötzlich kommt von irgendwoher ein Hund auf mich zugestürzt, der sich bei näherem Hinsehen zum Glück als eher altersschwach entpuppt und der dann auch gleich von einem Mann zurückgepfiffen wird.
Danach wieder Stille. Zwischen den Stämmen eine grelle Sonnenkugel. Es ist eine Frühlingssonne, warm und hell und freundlich, aber dennoch laufe ich hier und da durch beinahe düstere Schattenbereiche. An einzelnen Stellen scheinen die Schatten die Böschung hinauf so dicht zu sein, dass man beinahe den Eindruck hat, man könne sich dagegen lehnen wie gegen die Stämme der Bäume. Aber dann wird der Wald auch schon wieder lichter, die Schatten zerfasern und es ist wieder ein richtiger Frühlingswald.

Ich wandere an insgesamt drei Mühlen vorüber und bin dann ganz unten im Tal.
Mühlen gab es hier in früheren Jahrhunderten natürlich einige. Mit einer davon ist die Sage von einer Magd verknüpft, die an einem Gewitterabend entgegen der Warnung des Müllers den Nachhauseweg antrat und unterwegs vom Blitz erschlagen wurde. An diesen Vorfall soll auch ein Steinkreuz erinnern, das am Ort des Geschehens aufgestellt wurde. Es ist eines von noch fünf erhaltenen Steinkreuzen auf der Gemarkung von Weisbach.

An diesem Weiher vorüber wechsle ich für die letzten zwei Kilometer wieder auf den Katzensteig.

Der Abend naht.

Ankunft in Neckargerach













