FOTO-WANDERUNG 163 – WESTPFALZ – POTZBERG-WANDERWEG
Und wieder eine dieser Gegenden, am Rande eines scheinbaren Nirgendwo gelegen, in alle Richtungen viel Raum zum Wandern. Von Anfang an ist im Grunde absehbar, dass ich nicht vielen Leuten begegnen werde, außer beim Start-und Zielpunkt auf dem Potzberg, wo sich nicht nur ein Aussichtsturm befindet, sondern auch ein Wildpark.
Viele Waldwege, die immer wieder in alle Himmelsrichtungen auseinanderstreben, außerhalb des Waldes oft weite Horizonte, und zwar Frühlingshorizonte mit klaren Konturen, aber auch diesem besonderen Rauschen weit draußen.
Länge der Wanderung: ca. 16 Kilometer
Ausgangspunkt der Wanderung ist Theisbergstegen in der Westpfalz. Der Ort hat nicht viel mehr Einwohner als Buchstaben, aber in der Ortsmitte befindet sich ein Bahnsteig.
Von da aus habe ich gleich schon einen recht langen Treppenanstieg zu bewältigen und nach der Treppe geht es weiter den Berg hinauf, bis ich ein paar hundert Meter hinter den letzten Häusern auf den Potzberg-Wanderweg stoße.

Frühlingsstille und Frühlingsleuchten

Kaum ist der Potzberg-Wanderweg erreicht, beginnt der Wald. Es geht stetig bergauf, meistens auf breiten Waldwegen, hier und da sind aber auch ein paar schmale Pfade eingestreut. Ich gehe weder schnell noch langsam, passe mein Tempo der Wegbeschaffenheit an. Das immer mehr sich ausbreitende Frühlingslicht eliminiert viele Schatten.

Ein schöner Frühlingstag, warm, friedlich und freundlich. Der Ort liegt jetzt schon einigermaßen weit hinter mir, ich höre keinerlei Geräusche mehr von dort. Eigentlich vernehme ich nur meine eigenen Schritte, aber nur sehr gedämpft auf dem weichen Waldboden, und ein paar Vogelstimmen, vor allem Kolkraben. Einmal schwirren ein halbes Dutzend davon irgendwo in den Baumwipfeln unmittelbar über mir umher. Minutenlang höre ich die Raben krächzen und flattern, dann wird es wieder still.
Am Wegrand jede Menge Schilder zu irgendwelchen Örtlichkeiten ringsum – Hütten, Brunnen usw. Irgendwann laufe ich an einer Stelle vorüber, an der es vor Jahrhunderten eine Burg gegeben haben soll, Burg Deinsberg. Viel ist allerdings nicht mehr übrig davon.

Hier und da etwas offeneres Gelände, aber durchgängig Wald, meist heller, lichtdurchlässiger Laubwald.

Von Beginn an ein schöner Wanderweg

Überbleibsel der Osterfeiertage

Die Region, in der ich mich befinde, ist die Westpfalz, genauer gesagt das Nordpfälzer Bergland. Höchste Erhebung dieses Mittelgebirges ist der Donnersberg mit 686 Metern, der sich aber rund 40 Kilometer nordöstlich von hier in der Nähe von Kirchheimbolanden befindet.

Der Weg führt nicht auf der Direttissima zum Potzberg hinauf, sondern vollzieht viele Schnörkel und Schleifen, auf denen es zwischendurch auch mal wieder ein Stück bergab geht.

Da ist wieder diese besondere Form von Geduld, die das Gehen über längere Distanzen so oft mit sich bringt. Oft denke ich nur von Augenblick zu Augenblick, von Schritt zu Schritt. Lediglich im Hintergrund, dafür aber unverrückbar, ist da der Gedanke an das Zwischenziel Potzberg.

Innehalten und schauen

Überall Grün und überall von leichten Schatten durchzogene Lichtareale. Meine Aufmerksamkeit verharrt meistens auf dem Weg vor mir, nur wenn ich eine Gabelung oder Kreuzung vor mir bemerke, halte ich Ausschau nach Wegweisern oder dem Wandersymbol. Einmal übersehe ich eine Abzweigung und muss wieder umkehren, und an der einen oder anderen Stelle, wo es nötig wäre, findet sich kein Symbol oder vielleicht entdecke ich es auch einfach nicht. Insgesamt komme ich ohne große Schwierigkeiten voran.


Diese Gegend hat auch noch eine Art Beinamen, nämlich Musikantenland.
Knapp zweihundert Jahre in der Zeit zurück, ab etwa dem Jahr 1830, begannen viele Männer aus der Westpfalz, als Musikanten umherzuziehen und so den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu verdienen. Wobei der Begriff „umherziehen“ vielleicht noch für die allerersten Musikanten zutreffen mag, aber schon nach kurzer Zeit bildeten sich Musikkapellen heraus, die nicht etwa ziellos durch die Lande zogen und irgendwo ein Engagement zu erhaschen hofften, sondern die gezielt Örtlichkeiten wie englische Seebäder usw. aufsuchten und dort für Veranstaltungen verpflichtet wurden. Selbst Amerika und Australien waren Ziele für solche Musikkapellen.
Solange es die Beschränkung auf Gebiete innerhalb Deutschlands gab, zogen viele Musikanten zu Fuß umher, aber recht bald schon nutzten sie Zug und Schiff, um entfernte Landstriche und Länder zu erreichen.
Der Grund für das Entstehen dieses westpfälzischen Wandermusikantentums liegt selbstredend in der üblen wirtschaftlichen Situation vieler Leute. Missernten – zum Beispiel infolge des „Jahres ohne Sommer“ 1816-, Hungersnöte, die Nachwirkungen der Napoleonischen Kriege, es gab wahrlich genügend Ereignisse mit katastrophalen Auswirkungen. Hinzu kam, dass der zeitweise recht ertragreiche Quecksilberbergbau am Potzberg nach seiner Blütezeit Ende des 18. Jahrhunderts seinem Ende entgegenging, eine wichtige Erwerbsmöglichkeit also wegbrach.
Das Ende des Musikantentums kam dann abrupt mit dem 1. Weltkrieg.

Immer wieder gibt es die Möglichkeit, den Weg abzukürzen, aber ich bleibe unbeirrbar auf der Hauptstrecke.

Freier Blick

Die letzten zwei Kilometer hoch zum Potzberg

Blau inmitten von viel, viel Grün

Kurz vor dem Potzberg. Plötzlich überall Lärm und Geräusche. Ein Uralt-Moped rattert irgendwo am Waldrand, aus dem nahen Wildpark wehen Stimmen und Lachen zu mir herüber.

Blick vom Potzberg-Aussichtsturm. 173 Stufen führen zur Aussichtsplattform hinauf.

Stiller Blick ins Land

Ich mache mich auf den Weg ins Tal. „Wichtelpfad“ lese ich auf einem Schild, auf einem anderen steht „Zickzackpfad“. In Serpentinen und über viel Wurzelwerk geht es bergab. Von Zeit zu Zeit sehe ich Gegenstände. die an Bäumen aufgehängt oder am Wegrand platziert sind. Ein Wichtelpfad, wie gesagt.

Ich gehe bergab zunächst gar nicht so viel schneller als bergauf. Erstens habe ich keine Eile, zweitens gibt es immer wieder Stellen, an denen ich aufpassen muss, wohin ich meine Füße setze.
Das Licht zwischen den Stämmen ist nun schon ein Nachmittagslicht, es hat einen unbestimmten, schon fast abendlichen Schein. Aber der Himmel über den Wipfeln ist weiter und das Himmelsblau tiefer als am Vormittag.
Der Potzberg ist, wie anfangs erwähnt, der eigentliche Startpunkt dieses Wanderweges. Wer dort oben startet, läuft also auf den ersten Kilometern tendenziell bergab.


Kurz noch eine Art Berg-und Talbahn, dann ein stark abschüssiger Pfad, bei dem Laub und Sand nachrutschen und bei dem ich es vorziehe, auf den linken Pfadrand auszuweichen, dann lande ich bei einer Hütte, und von da an beginnt so etwas wie die Zielgerade.

Ein kleiner Anstieg ist noch zu bewältigen, danach dauert es nicht mehr lange, bis ich zu der Stelle gelange, von wo aus ich nach Theisbergstegen hinunterlaufen kann.















