Zehn meditative Orte im Saarland

Ausgedehnte Fußmärsche führen zu Orten mit ganz unterschiedlicher Atmosphäre. Zu stillen Orten, zu lauten Orten, zu Orten, die irgendeine geheime Faszination ausstrahlen, zu Orten, die man eine Weile oder vielleicht sogar für immer in Erinnerung behalten wird, oder zu solchen, die sehr rasch in tiefe Schichten des Vergessens absinken.
Bei dieser Aufzählung habe ich zehn Orte ausgewählt, die alle auf ihre Weise besonders sind. Es muss dabei nicht immer das völlig Spektakuläre sein, denn man sollte sich das Staunen nicht nur für die ganz großen Dinge aufheben.

 

1. NATURDENKMAL STEINRUTSCH

Der erste der zehn meditativen Orte ist das Naturdenkmal „Steinrutsch“ auf der Gemarkung von Dirmingen im Landkreis Neunkirchen. Im Frühling, bei entsprechendem Licht, kann man sich leicht vorstellen, dass Leute in früheren Jahrhunderten sich vielleicht in ein Elfenland versetzt fühlen konnten.
Entstanden ist die Armee aus Steinblöcken vor Hunderten von Millionen Jahren durch verschiedene und über einen langen Zeitraum wirkende geologische Vorgänge.

 

 

2.  DAS SKULPTURENFELD MIT DEM GROßEN FUß BEI BALTERSWEILER

Auf einer kleinen Anhöhe bei Baltersweiler im Landkreis St. Wendel, unmittelbar neben einer Landstraße, befindet sich ein Areal mit mehreren auffälligen Skulpturen. Die Skulpturen sind Werke, die im Zuge eines Bildhauersymposions entstanden, das mittlerweile mehr als 50 Jahre zurückliegt. Damals kamen rund ein Dutzend Skulpturen zustande, die fortan dort zu sehen waren.
Aber in den Folgejahren kamen weitere Skulpturen an anderen Örtlichkeiten hinzu und so entstand schließlich eine „Straße der Skulpturen“ von St. Wendel bis zum Bostalsee.
Die Skulpturen vermitteln in ihrer Beständigkeit eine beinahe erhabene Ruhe, die man als Betrachter noch eine ganze Weile mit sich trägt, nachdem man den Ort verlassen hat.

 

 

3. DER STEG ÜBER DIE NAHE AUF DEM RÖTELSTEINPFAD

An dieser Stelle ist die Nahe noch ganz jung, die Nahequelle in Selbach ist nur ein paar Kilometer entfernt. Im Wasser etliche Steine, auf die man treten und dann stehenbleiben kann, um die Szenerie aus einer ungewöhnlichen Perspektive zu betrachten. Es ist eine Stelle, bei der man die Ruhe sozusagen inhalieren und sich für die Ewigkeit eines Augenblicks unangreifbar fühlen kann.
Der malerische schmale Pfad, der sich am Ufer entlang wie ein trockenes Rinnsal zwischen den Bäumen hindurchwindet, macht aus dem Ganzen beinahe so etwas wie Naturbaden in Vollendung.

 

 

4. Das Wortsegel

Wieder ein Kunstwerk, wieder eine Anhöhe. Das Wortsegel oberhalb von Sotzweiler im Landkreis St. Wendel bietet ein schönes Zusammenspiel von Kunst und naturnaher Umgebung inklusive Fernblick zum Schaumberg.

 

 

5. Aussichtspunkt Breckert

Ein Ruheort.
Man ist von nichts als von Luft umgeben und kann weit in alle Richtungen schauen.
Im Herbst sieht man oft Nebel aus dem Tal emporsteigen wie einen durchsichtigen Schleier aus Seide. Bei klarer Sicht erkennt man selbst ferne Hügel so detailliert, als seien sie mit einem scharfen Messer in die Luft hineingeritzt.
Der Breckert liegt oberhalb von Dirmingen im Landkreis Neunkirchen und ist einer der markantesten Wegepunkte auf dem Biberpfad, einem 18 Kilometer langen Premiumwanderweg.

 

 

6. Die Saarschleife

Die Saarschleife ein meditativer Ort?
Ja, das ist sie. Wenngleich oben auf dem Aussichtspunkt Cloef und dem Baumwipfelpfad oft Horden von Menschen zu finden sind, ist der Blick hinunter auf den Fluss und in eine schier horizontlose Ferne so etwas wie eine Ahnung davon, wie der innerste Kern der Schönheit aussieht. Man muss die Saarschleife aber gar nicht von oben betrachten, sondern kann auch am Flussufer entlanggehen und so eine zur Aussicht von oben vollkommen unterschiedliche Perspektive einnehmen.

 

 

7. Der Aussichtspunkt oberhalb des Warndt-Canyons

Noch ein Aussichtspunkt. Völlig anders als der auf der Cloef, aber auf seine Weise ebenfalls grandios.
Von einer Aussichtsplattform, die in den Warndt-Wald-Weg integriert ist, blickt man auf die bereits zu Frankreich gehörende Carriere du Barrois, eine ehemalige Sandgrube bei Freyming-Merlebach.
Was man zu sehen bekommt, ist eine fantastische und zugleich interessante Mischung aus beeindruckendem Landschaftsbild und Überrest ehemaliger industrieller Nutzung, die darin bestand, dass man hier während der Zeit des Steinkohlenbergbaus Material zum Verfüllen von Hohlräumen abtransportierte.
Es ist einer dieser Fernblicke, bei denen man dieses verdammt gute, erhabene Gefühl hat, nicht mehr als einen einzigen Schritt davon entfernt zu sein, auf einem unsichtbaren Pfad in die Wolken hinein wandern zu können.

 

 

8. Das Plateau oberhalb von Überroth mit Blick auf den Hochwald

Ein Weg, wie in der Luft aufgehängt. An klaren Tagen hat man dort freie Sicht über die friedlich anmutenden Dörfer des Bohnentals sowie auf die Hügel des nahen Hochwalds.

 

 

 

 

9. Der Asphaltweg bei den „Steinen an der Grenze“ mit Blick nach Frankreich

Ein Grenzweg der besonderen Art. Über Kilometer hinweg Skulpturen am Wegrand, manchmal unmittelbar neben der Straße, hier und da auch etwas weiter weg irgendwo im Gelände. Dazu der völlig freie Blick in die Ferne. Oft nirgends eine Bewegung zu sehen, alles unbeweglich wie in einem Gemälde, an vielen Stellen die gleichsam in die Landschaft hineingepflanzten Skulpturen – ein schöner Ort, zu finden bei Wellingen im Landkreis Merzig-Wadern.

 

 

10. Der Möhlwoog bei Jägersburg

Der Möhlwoog ist der größte von mehreren Weihern im Homburger Stadtteil Jägersburg. Heute ein Anlaufpunkt für Leute, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, war er in früheren Zeiten ein Gewässer, das nahegelegenen Klöstern zur Fischzucht diente. Ende des 18. Jahrhunderts wurde er jedoch trockengelegt und Teil des Schlossgartens eines mittlerweile schon lange nicht mehr existierenden Jagdschlosses.

 

 

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