Zehn faszinierende Orte im Odenwald
Zehn faszinierende Orte im Odenwald zu finden ist nun wirklich nicht allzu schwierig, vor allem dann nicht, wenn man zu Fuß unterwegs ist und damit auch versteckte Örtlichkeiten und verborgene Pfade entdecken, sich sozusagen in eine Welt voll unbekannter Dinge begeben kann.
Wie bereits bei den zehn meditativen Orten im Saarland habe ich mich bei der Auswahl nicht auf das besonders Spektakuläre beschränkt, sondern auch Orte ausgewählt, die auf eine eher stille Art ihre Wirkung entfalten.
1. DIE BURGRUINE OBERHALB VON EBERBACH
Ein stiller, beinahe verwunschener Ort. Uralte Mauerreste, von denen teilweise die Natur Besitz ergriffen hat. Im Sommer ist das oft eine Stätte ruhiger Beschaulichkeit, mit hohen Bäumen, Wiesen, dem nahen Wald und einer tollen Aussicht ins Neckartal. Im Winter, bei Schnee, wirken die Gemäuer wie das, was sie auch tatsächlich sind – Überreste einer lange untergegangenen Zeit.
Die Geschichte der Burg ist ebenso interessant wie kompliziert, handelt es sich doch in Wahrheit nicht nur um eine einzige Burg, sondern um drei verschiedene Burgen, welche auch keineswegs gleichzeitig errichtet wurden. Vorder- und Mittelburg bildeten ursprünglich offenbar einen zusammenhängenden Komplex, der um das Jahr 1220 herum aufgeteilt wurde. Bei der Hinterburg, die ebenfalls an dieser Stelle gebaut wurde, handelt es sich vermutlich um ein zunächst unvollendet gebliebenes Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert, das dann aber wohl um 1240 herum doch noch fertiggestellt wurde.

2. Die Wolfsschlucht
So unterschiedlich die Burgruine oberhalb von Eberbach und die Wolfsschlucht auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam – es sind Orte, die etwas Ursprüngliches, mit der Vergangenheit Verbundenes aufweisen.
Die Wolfsschlucht entstand durch Erosion, sie verläuft durch Millionen und Abermillionen Jahre alte Bundsandsteinschichten. Steilhänge, Steine und Geröll, Baumstämme wie riesige Mikadostäbchen, die den Hang hinabgerutscht sind – es ist ein wildes, ungebändigtes Stück Landschaft. Nahebei gibt es aber auch das Ruhige, Beschauliche, denn nicht weit von der Schlucht entfernt fließt der Neckar, auf den man von den Wegen rund um das nahegelegene Zwingenberg einen schönen Blick hat.
Der Eingang zur Wolfsschlucht befindet sich unmittelbar bei Schloss Zwingenberg.


3. Die Anhöhe zwischen Hummetroth und Ober-Kinzig mit der römischen Villa Haselburg
Es ist eine dieser Örtlichkeiten, die nichts exorbitant Spektakuläres benötigen, um eindrucksvoll zu sein. Es ist einfach diese Mischung aus Weite, ruhiger Beschaulichkeit und dezenter Abgeschiedenheit, die diese Anhöhe zu einem besonderen Ort macht.
Das Areal der Haselburg unmittelbar am Rande eines dort entlangführenden Pfades verleiht der Szenerie selbstredend die besondere Note. Es handelt sich dabei um einen römischen Gutshof aus der Zeit Kaiser Hadrians, der in den Jahren 117 bis 138 Kaiser des römischen Reiches war.

4. Der Fürstengrund-Fernblick oberhalb von Bad König
Auch diese Örtlichkeit befindet sich im hessischen Teil des Odenwalds. Von einer Anhöhe am Waldrand blickt man über Wiesen hinweg in eine stille Hügellandschaft. Unter Bäumen eine Bank samt Tisch, wo man sich niederlassen und den Ausblick auf sich wirken lassen kann. Auch die nähere Umgebung trägt mit viel Wald und jeder Menge stiller Pfade das ihre zu der wunderbaren Szenerie bei.

5. Auf dem Panoramaweg oberhalb von Erbach und Michelstadt
Wieder ein Fernblick. Und wieder einer, bei dem man sich wie am Rande der Welt wähnt. Am Waldrand stehend kann man ins Tal schauen, in dem sich die beiden unmittelbar aneinandergrenzenden Städte Erbach und Michelstadt befinden, aber man kann den Blick auch noch weiter in die Ferne auf die Hügel am jenseitigen Rand des Tales richten. Auch dort, von der sogenannten Sophienhöhe aus, bietet sich by the way ein grandioser Fernblick.

6. Burgfeste Dilsberg
Der Dilsberg ist wahrlich ein faszinierender Ort. Schon der Anblick, den die Burgfeste vom Tal aus oben auf einem Berg über dem Neckar bietet, ist irgendwo zwischen geheimnisvoll und anachronistisch angesiedelt.
Es ist ein geschichtsträchtiger Ort, und auf dem Gelände der Burgfeste spürt man das auf Schritt und Tritt. Das Stadttor ist wie ein Tor in eine andere Welt und eine andere Zeit. Überreste der alten Hauptburg sind noch zu sehen, ebenso ist ein Teil der Ringmauer noch vorhanden.
Der Ausblick von der Burgfeste ist phänomenal. Im Herbst legt sich mitunter Nebel übers Tal wie ein weiches Tuch. Im Sommer unter dem flimmernden Blau des Himmels sieht man auf das stille Grün der Hügel, das immer mehr verblasst, je weiter man den Blick in die Ferne richtet, und das sich schließlich am milchigen, wolkenweißen Rand des Horizonts verliert.
Dilsberg ist ein Stadtteil von Neckargemünd, und von dort – aber auch von anderen Orten aus – kann man die Burgfeste über teilweise steile Pfade auch zu Fuß erreichen.


7. Die Margaretenschlucht bei Neckargerach
Im Grunde lässt sich über die Margaretenschlucht so ziemlich das Gleiche sagen wie über ihre wenige Kilometer entfernte Schwesternschlucht, die Wolfsschlucht. Es ist ein beeindruckendes Erlebnis, sie zu durchwandern. Noch immer ist etwas von ihrer ursprünglichen Wildheit vorhanden, wenngleich die Pfade natürlich an vielen Stellen mit Seilen gesichert sind.
Wie die Wolfsschlucht, so entstand auch die Margaretenschlucht durch Erosion. Entscheidend hierfür war der Flursbach, der im Laufe der Zeit die Schlucht in den Hang gegraben hat und der dort auf 300 Metern über 100 Metern an Höhe verliert, wobei er über zahlreiche Stufen wasserfallartig hinabstürzt bzw. oft auch nur hinabrinnt, gerade an heißen Sommertagen. Über 100 Meter – damit stellt diese Wasserfalltreppe den höchsten Wasserfall im Odenwald dar.
Durch die Schlucht verläuft der Neckarsteig.

8. Der See im Eulbacher Park bei Michelstadt
Der Eulbacher Park hat eine jahrhundertealte Geschichte. Ehe ihn Friedrich Ludwig Sckell im Auftrag von Graf Franz I. zu Erbach-Erbach ab dem Jahr 1802 in Form eines englischen Landschaftsgartens anlegte, hatte es hier lange Zeit Wald und ein altes Hofgut gegeben. Das Dorf Eulbach, das einst hier existiert hatte, war im Dreißigjährigen Krieg dem Erdboden gleichgemacht und zur Wüstung geworden.
Heutzutage gibt es hier ein Tiergehege mit Wildschweinen, Wisenten usw. Der See ist so etwas wie eine Ruheoase für den Blick.

9. Der Fernblick beim Galgen von Beerfelden
Ein Ort, der neben einem wunderbaren Fernblick auch die interessante Historie des Galgens zu bieten hat, welcher im Jahre 1597 errichtet wurde, im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte mehrfach beseitigt werden sollte, der aber immer noch auf dieser Anhöhe ein paar hundert Meter entfernt von Beerfelden steht. Ursprünglich war er von sieben Linden umgeben und den Delinquenten wurde vor ihrem Ableben noch ein letzter Blick in die ruhige, schöne Landschaft des Odenwalds geboten, damit sie umso schmerzlicher empfinden sollten, was ihnen verlorenging.


10. Die Teufelskanzel auf dem Breitenstein bei Eberbach
Der Breitenstein ist ein Landschaftsschutzgebiet oberhalb von Eberbach mit Streuobstwiesen und Waldpfaden. Von der Teufelskanzel hat man einen grandiosen Blick auf den Neckar und die Schleuse in Höhe des Eberbacher Stadtteils Rockenau.
Aber mindestens ebenso schön wie die Aussicht selbst ist der Weg dorthin. Es ist ein Weg, der aus der Stille kommt und in die Stille hineinführt. Im Sommer wirkt der schmale Waldpfad, der an mit Moos bewachsenen Steinen vorüberführt, und an Wiesen, die wie frei schwebende Ebenen übereinandergeschichtet sind, beinahe wie eine Wanderung durch ein Elfenland. Und im Herbst, kurz vor der Dämmerung, wenn die Sonne noch eine Daumesbreite über den Hügeln steht, läuft man durch schönes, abendgraues Zwielicht.

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