Zitate übers Gehen und Unterwegssein

„Jetzt, lieber Freund, da ich von hier an Sie schreibe, habe ich schon so manches Ungemach als Fußgänger erfahren, daß ich beinahe unschlüssig bin, ob ich meine Reise so fortsetzen soll oder nicht. Ein Fußgänger scheint hier ein Wundertier zu sein, das von jedermann, der ihm begegnet, angestaunt, bedauert, in Verdacht gehalten und geflohen wird, wenigstens ist es mir auf meinem Wege von Richmond nach Windsor so gegangen.“

Das Zitat stammt aus einem der Briefe des Schriftstellers Karl Philipp Moritz, die dieser während seiner Fußreise durch England im Jahre 1782 an Friedrich Gedike schrieb.

 

Meine Umgebung bietet viele schöne Möglichkeiten zum Wandern; und obwohl ich seit vielen Jahren fast jeden Tag laufe, manchmal sogar mehrere Tage hintereinander, habe ich sie längst nicht alle genutzt. Ein gänzlich neuer Anblick bedeutet für mich ein großes Glück, und das kann mir noch jeden Nachmittag passieren. Zwei, drei Stunden Weg, und ich befinde mich in einer Gegend, die mir genauso fremd ist wie irgendwelche exotischen Plätze, die ich noch sehen mag.“

Zitat aus dem umfangreichen und mehrfach veränderten Essay „Vom Wandern“ von Henry David Thoreau (1862)

 

„Wir wandern durch die Welt, um von ihr zu erzählen. Und keineswegs, um sie zu erobern, zu verändern, zu erkennen und zu verstehen, sondern lediglich, um ihre Schönheit zu beschreiben.“

Zitat aus „Der Stich im Herzen“ von Andrzej Stasiuk (2013)

 

„Da habe ich nun immer nur vom Spazieren in der Stadt gesprochen. Nicht von der merkwürdigen Zwischen- und Übergangswelt: Vorstadt, Weichbild, Bannmeile mit all ihrem Unaufgeräumten, Stehengebliebenen, mit den plötzlich abschneidenden Häuserreihen, den Schuppen, Lagern, Schienensträngen und dem Fest der Laubenkolonien und Schrebergärten. Aber da ist schon der Übergang zum Lande und zum Wandern. Und das Wandern ist wieder ein ganz andres Kapitel aus der Schule des Genusses als das Spazierengehn.“

Zitat aus dem Essay „Von der schwierigen Kunst spazieren zu gehen“ von Franz Hessel (1932)

 

„Nun habe ich erst, seit ich um des Gehens willen gehe, begreifen gelernt, was das Gehen ist. Man glaubt gar nicht, wie eine Sache ganz anders ausschaut, wenn man sie nicht als bloßes Mittel behandelt, dann tut sie erst ihr Wesen auf, gibt ihren Sinn her und lässt ihre heimliche Schönheit sehen.“

Zitat aus einem Feuilletonbeitrag („Vom Gehen“) des österreichischen Schriftstellers Hermann Bahr (1897)

 

„Ich kann nur beim Gehen nachdenken. Bleibe ich stehen, tun dies auch meine Gedanken; mein Kopf bewegt sich im Einklang mit meinen Beinen.“

Jean-Jaques Rousseau

 

„Spazieren“, gab ich zur Antwort, „muss ich unbedingt, um mich zu beleben und um die Verbindung mit der lebendigen Welt aufrechtzuerhalten, ohne deren Empfinden ich keinen halben Buchstaben mehr schreiben und nicht das leiseste Gedicht in Vers oder Prosa mehr hervorbringen könnte.“

Zitat aus „Der Spaziergang“ von Robert Walser (1917)

 

„Der Sehnsucht nach dem Anderswo / Kannst du wohl nie entrinnen: / Nach Drinnen, wenn du draußen bist, / Nach Draußen, bist du drinnen.“

Zitat aus „Sehnsucht nach dem Anderswo“ von Mascha Kaléko ( um 1940)

 

„Bergluft! Wie oft sehnte sich der Dichter schon im Frühling hinaus aus dem Staub und dem Lärm der Gassen über die grünen Vorberge nach den in der Ferne winkenden Schneespitzen.“

Betsy Meyer in ihrer Biografie über ihren Bruder, den Dichter Conrad Ferdinand Meyer, der Zeit seines Lebens ein begeisterter Wanderer war und vor allem die Alpen liebte (1903)

 

 

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